In den Lektionen, die zu dieser Website gehören, werden immer wieder mathematische Sätze angeführt, in denen Behauptungen zu mathematischen
Sachverhalten aufgestellt werden. In den meisten Fällen wird darauf hingewiesen, dass solche mathematischen Sätze eigentlich bewiesen werden müssen, worauf
hier aber in den meisten Fällen verzichtet wird. Denn das Beweisen gehört zu den schwierigeren Dingen in der Mathematik. Nun wollen wir in dieser Lektion aber ein oft
verwendetes Beweisverfahren betrachten, dass vor allem dann verwendet wird, wenn Aussagen über natürliche Zahlen getroffen werden. Vorher aber ein paar allgemeine
Hinweise zu Beweisverfahren im allgemeinen.
Bereits der griechische Mathematiker Euklid wies darauf hin, dass jeder mathematische Beweis immer aus drei Schritten besteht.
| Voraussetzung |
Behauptung |
Beweis(durchführung) |
Die meisten zu beweisenden mathematischen Aussagen werden in der sogenannten
"Wenn..., dann... -Form" angegeben, weil diese Aussageform gut erkennen lässt,
was Voraussetzung und was Behauptung ist. Betrachten wir ein Beispiel aus der Geometrie.
Im Mathematiklehrbuch Klasse 6 steht der Innenwinkelsatz für Dreiecke in der folgenden Form.
In jedem Dreieck beträgt die Summe der Innenwinkel 180°.
Diese Aussage ist kurz und prägnant, aber was ist denn nun Voraussetzung bzw. Behauptung? Deshalb kann man diese Aussage auch wie folgt formulieren.
Wenn ΔABC ein ebenes Dreieck mit den Innenwinkeln α, β und γ ist, dann beträgt die Summe der Innnenwinkel 180°.
Es gilt: α + β + γ = 180°
Der Wenn-Teil dieser Aussage ist nun als Voraussetzung erkennbar. Der Dann-Teil stellt die Behauptung dar.
Ein Beweis einer Aussage erfolgt durch eine endliche Kette wahrer Aussage, wobei nur die Voraussetzung der Aussage selbst, andere bereits bewiesene Sätze, logische Gesetze
und äquivalente Umformungen verwendet dürfen. Für die Beweisführung unterscheidet man generell zwischen zwei Arten det Beweisführung.
- Der direkte Beweis
Ausgangspunkt eines direkten Beweises sind bereits bewiesene Aussagen und deren jeweilige Voraussetzungen, die schrittweise zusammengesetzt zur Behauptung führen.
Betrachten wir den Innenwinkelsatz für Dreiecke.
ε und δ sind die Winkel, die durch die Parallele (blau) zur Strecke AB des Dreiecks ABC entstehen. Dann gilt:
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|
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δ |
= |
β |
|
→ |
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Wechselwinkelsatz |
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|
|
ε |
+ |
δ |
+ |
γ |
= |
180° |
|
→ |
|
gestreckter |
|
Winkel |
|
 |
Der Beweis nutzt den Wechselwinkelsatz, den Innenwinkelsatz und die Eigenschaft des gestreckten Winkels als bereits bewiesene Aussagen und fürht damit
zur Behauptung des Innenwinkelsatzes.
Wir halten fest: Beim direkten Beweis geht man von der Voraussetzung aus und leitet durch die schrittweises Begründen mit Hilfe bereits bewiesener
Aussagen die Behauptung her.
- Der indirekte Beweis
Ganz anders funktioniert ein indirekter Beweis. Hier wird im ersten Schritt die Behauptung negiert, diese wird also als nicht gültig angenommen. Danach werden
ebenfalls mit Hilfe wahrer Aussagen schrittweise Schlüsse gezogen, die am Ende aber zu einem Widerspruch zur Voraussetzung oder anderer bewiesenen
Sätze führen. Diesen Widerspruch kann man nur auflösen, indem man die Behauptung als wahr annimmt.
Auch hier soll ein Beispiel (aus dem Bereich der Zahlentheorie) betrachtet werden.
Im Unterricht der Klasse 9 wird der Zahlbereich der rationalen Zahlen auf den Bereich der reellen Zahlen erweitert. Dazu muss man natürlich
nachweisen, dass es Zahlen gibt die nicht-rational sind. Daraus ergibt sich zum Beispiel der Satz:
√2 ist keine rationale Zahl.
Indirekter Beweis:
Annahme der Negation der Behauptung: √2 sei eine rationale Zahl.
→ Daraus folgt, dass man √2 als gemeinen Bruch darstellen kann
|
|
= |
|
|
wobei |
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p |
|
und |
|
q |
|
teilerfremd |
|
sein |
|
müssen. |
Quadieren liefert:
Daraus folgt aufgrund der Potenzgesetze
|
2 |
= |
|
|
| |
· |
|
|
→ |
|
Äquivalenzumformung |
→ p
2 ist eine gerade Zahl.
→ p ist eine gerade Zahl.
→ Man kann p=2r (r∈Z) setzen.
Einsetzen liefert
Daraus folgt, dass q
2 und deshalb auch q gerade Zahlen sind.
Damit wären beide Zahlen p und q gerade und deshalb nicht teilerfremd. Das ist ein Widerspruch zur gemachten Annahme.
q.e.d.
Wir halten fest. Beim indirekten Beweis nehmen wir zunächst an, dass das Gegenteil der Behauptung gilt. In den folgenden Schritten des
Beweises ergibt sich dann ein Widerspruch zu dieser Annahme, weshalb die eigentlich Behauptung gelten muss.
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